In unserer modernen, in hohem Grade technisierten und hochspezialisierten Medizin verlieren Ärzte häufig den Blick für den gesamten Patienten1. Ärzte sehen häufig nur das Problem des Patienten, nicht den Menschen, der hinter dem gesundheitlichen Problem steht, den Menschen, der mit dem gesundheitlichen Problem über kurz oder lang leben muss, dessen Leben durch eine Krankheit verändert werden kann. Auch berücksichtigen viele Ärzte nicht die Lebensumstände des Patienten, die sich nicht selten negativ, aber auch positiv auf die Gesundheit auswirken können und in bestimmten Fällen Krankheiten bedingen. Schlimmstensfalls wird der Patient selbst von einem Arzt als Problem wahrgenommen, das es loszuwerden gilt. Dies schädigt in besonderem Maße die Arzt-Patienten-Beziehung.

Eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Patienten ist heutzutage, bei allen Einschränkugen des DRG-Systems in Krankenhäusern und teilweise niedrigen Vergütungen bei Kassenleistungen im ambulanten Bereich, kaum mehr möglich. Das hat gravierende Folgen: Patienten fühlen sich unverstanden, kehren häufig Ärzten den Rücken und suchen nach alternativmedizinischen Heilmethoden, die in Wirklichkeit keine Alternativen darstellen2, oder strapazieren das Gesundheitssystem durch mehrfache, teils unsinnige Arztkonsultationen bei unterschiedlichen Ärzten. All das schadet sowohl dem Gesundheitssystem wie auch dem einzelnen Patienten.

Es ist daher wichtig, bei der Behandlung eines spezifischen Problems auch den Menschen mit dem Problem nicht zu ignorieren, den Blick auf den gesamten Patienten zu behalten. Denn so sind die Möglichkeiten für die Verbesserung und den Erhalt der Gesundheit vieler Patienten höher.

Eines der Konzepte, die hierfür geeignet sind, ist die Integrierte Medzin, die von Thure von Uexküll begründet wurde.


1 Hier sind stets sowohl Patienten wie auch Patientinnen gemeint. Auch die Bezeichnung "Arzt" steht sowohl für männliche Kollegen wie auch selbstverständlich weibliche Kolleginnen.

2 Ich vertrete die Ansicht, das die Alternativmedizin als Komplementärmedizin zusätzlich zur herkömmlichen, sogenannten Schulmedizin angewandt werden sollte und keinesfalls als "Alternative" zur häufig in den Gegensatz dazu gerückten Schulmedizin. Die alleinige Verwendung bestimmter komplementärer Heilmethoden ist nur selten vertretbar und kann schlimmstenfalls für den Patienten gefährlich werden.