Der aufgeklärte Patient

Ein aufgeklärter Patient ist nicht derjenige, der das Informed Consent (IC)-Formular (auch Aufklärungsformular) unterschrieben hat und somit einem körperlichen Eingriff für den Arzt rechtlich nachvollziehbar zugestimmt hat. Der aufgeklärte Patient ist derjenige Patient, der sich für seine Gesundheit selbst verantwortlich fühlt. Dies mag anfangs eine nichtssagende, vielleicht sogar banale Feststellung sein. Doch sie hat gravierende Implikationen.

Bevor wir die Charakteristika des aufgeklärten Patienten definieren, eine Feststellung vorab: Aus meiner eigenen Erfahrung und der Erfahrung vieler Kollegen kann ich sagen, dass die Mehrheit der heutigen Patienten eben nicht aufgeklärt ist. Sie gehen mit einem gesundheitlichen Problem zum Arzt wie zu einem Zauberer, in Erwartung, dass er sie durch eine “Pille” wieder repariert. Dabei wird die Verantwortung für die eigene Gesundheit vom Patienten auf den Arzt übertragen. Der nicht aufgeklärte Patient versteht nicht, dass er selbst für seine Gesundheit und Genesung verantwortlich ist, der Arzt ist lediglich ein Helfer in diesem Prozess.

Doch die somatisch-restriktive Medizin hat sich heutzutage in ihrem Umgang mit den Patienten daran gewöhnt, solche unaufgeklärten Ansichten bei Patienten zu bedienen und zu stärken.

Der nicht aufgeklärte Patient läuft schlussendlich Gefahr, ein freiwilliger Patient zu werden.