Geschichten aus der Notaufnahme

Der freiwillige Patient – Herkömmliche Geschichten aus der Notaufnahme

Keiner geht in seiner Freizeit freiwillig zum Arzt - das zeigt uns bereits jedes Kind recht deutlich. Es ist nur logisch anzunehmen, dass der Arzt nur in dringenden Fällen, bei gesundheitlichen Problemen aufgesucht wird, die einen wesentlich im Alltag stören oder von selbst nicht besser werden. Und wer ist schon freiwillig krank?

Was für den einen so offensichtlich erscheinen mag, trifft für andere absolut nicht zu. Es gibt sie, die freiwilligen Patienten. Solche, die bei jedem kleinsten Bagatellfall zum Arzt oder gar auf die Notaufnahme laufen, um sich abklären oder behandeln zu lassen. Zwar kann ich nur von den Notaufnahmen sprechen, wo ich selbst gearbeitet habe, doch sicherlich werden diese Beispiele nicht wenigen bekannt sein.

Definition: Der freiwillige Patient ist ein Patient, der gerne den ärztlichen Kontakt sucht und geniesst. Dabei werden nicht nur begründete gesundheitliche Störungen als Anlass für ärztliche Konsultationen genommen - jeglicher Bagatellfall wird durch den freiwilligen Patienten für eine ärztliche Vorstellung genutzt. Der freiwillige Patient überträgt dabei stets die Verantwortung für seine eigene Gesundheit auf den Arzt. 

Das Verhalten von freiwilligen Patienten schadet sowohl ihnen selbst wie auch allen anderen, besonders aufgrund des in Industrienationen vorwiegend auf dem Solidaritätsprinzip basierenden Gesundheitssystems.

In diesem Artikel sind verschiedene Geschichten aus Notaufnahmen gesammelt. Alle in anonymisierter Form, zeitlich und örtlich nicht beschränkt auf spezifische Orte. Ziel ist es, die Grenzen bzw. Probleme unseres Gesundheitswesens aufzuzeigen und gleichzeitig darzulegen, wie die Integrierte Medizin bei der Lösung der Probleme behilflich sein könnte.   

1. Die Frau, deren Hobby das Spital ist

sekundärer Krankheitsgewinn

2. Die Frau, die durch die Pflege ihres Mannes überlastet ist

psychische Dekompensation, sekundärer Krankheitsgewinn

3. Die Frau, die wegen neu aufgetretenen “blauen Flecken” auf der Haut die Notaufnahme aufsucht

Unaufgeklärtheit über simple Gesundheitsthemen

4. Der Mann, der seine nach einem Supinationstrauma ohne Schmerzen sein Sprunggelenk "zur Absicherung" zeigen kommt

Unaufgeklärtheit

 

Die Notaufnahmen werden in großem Maße missbraucht. Die Hauptlast davon tragen die Ärzte, mit vielen Überstunden, doch auch die Bürger tragen die so entstehenden finanziellen Belastungen durch steigende Krankenversicherungsprämien, ein Phänomen, dass besonders besonders in der Schweiz alljährlich beobachtet werden kann1.

Wir konstatieren also: Es kommen sehr viele Patienten auf die Notaufnahme, obwohl sie da nicht hingehören. Die anfangs geäußerte Annahme, keiner gehe freiwillig zum Arzt, stellt sich als falsch heraus.


1. http://www.20min.ch/finance/news/story/So-viel-mehr-Praemie-zahlen-Sie-2018-in-Ihrem-Kanton-24272283